So wichtig ist verständliche Sprache in der Ausbildung

Sprache kann Leben verändern. Hin zum Positiven tut sie das, wenn sie verständlich ist. Beispiel: Prüfungsaufgaben. In einer Situation, in der fast jeder Prüfling aufgeregt ist, muss er die Prüfungsaufgaben lesen und vor allem verstehen. Erst dann ergibt es für ihn Sinn, das eigene Wissen abzurufen und die Prüfungsfragen zu beantworten. Gelingt das nicht und scheitert der Prüfling deshalb, kann sich dies nachhaltig auf seinen Werdegang auswirken. Eine verpatzte Prüfung kann das Leben zumindest ein Stück weit unangenehm beeinflussen, kann das Selbstwertgefühl vermindern. Dabei ist doch das Gegenteil gewollt: fitte Absolventen, die sich und anderen guttun. Doch wie geht es besser?

Der Würzburger Arbeitskreis Schule und Wirtschaft hat zu der Infoveranstaltung „Verständliche Sprache in Ausbildung und Prüfung“ eingeladen. Vor Lehrern und Verantwortlichen aus Wirtschaft, von Schulen und Behörden referierten Rosi Joßberger, Lehrerin in der Don-Bosco-Schule, und Annika Hörenberg, Spezialistin in „Deutsch als Fremdsprache“ und Germanistik, gefördert von der „Aktion Mensch“ und der Caritas-Stiftung im Netzwerk verständliche Sprache.

Beispiele, wie es sein oder nicht sein sollte: Eine Behörde, die lange, womöglich verschachtelte Sätze über eine DIN-A4-Seite formuliert und das Wörtchen „nicht“ bei einer Genehmigung auf die Rückseite des Blattes setzt („... können wir die Genehmigung ... nicht erteilen), darf sich nicht wundern, wenn die Information nicht oder falsch verstanden wird. Und wer vor Migranten ohne Englischkenntnisse von „meeting“ spricht statt von einem Treffen, auch der muss mit Schwierigkeiten bei der Kommunikation rechnen. Dabei unterscheiden die Referentinnen sehr wohl zwischen „leichter Sprache“ und „einfacher Sprache“.

Erläuternd, erklärend und keine Schachtelsätze

Bei der einfachen Sprache wird der Inhalt so, wie er ist, behandelt und behalten, und nur die Sprache kommt leichter daher, sie ist erläuternd, erklärend, mit möglichst kurzen Sätzen und sogar im Layout (bei der Gestaltung der Seite) mit Prüfungsaufgaben zum Beispiel – wird darauf Rücksicht genommen. Die Einfachheit lässt sich mit Grafiken stärken. Der Beginn von Aufgaben und ihr Ende können klar angezeigt werden. Logische Abfolgen sollten eingehalten werden.

In der Vorbereitung der Aufgaben können auch Überschriften erstellt werden, eindeutige Bezüge sind ein Muss, und im Zweifel sollte statt „er“ nochmals der Name oder „der Kunde“ genannt werden, so Annika Hörenberg.

Eine Note besser abgeschnitten

Rosi Joßberger zieht Studien heran: In 18 Berufsschulklassen wurden die Standardversion und die Version in einfacher Sprache getestet, zeitlich so lang voneinander entfernt, dass die Erinnerung die Lösung der Aufgaben nicht von alleine ausspuckte. Das Ergebnis: Die 250 Schüler lösten beim Einsatz der einfachen Sprache die Aufgaben um eine Notenstufe besser. Auch Schüler mit niedriger Bildung schnitten besser ab. Der Schulleiter der Don-Bosco-Schule, Harald Ebert, betonte, es gehe bei der Verwendung der Sprache durchaus auch um Demokratie, denn es gebe einen Verdrängungseffekt von den sprachlich bewanderten Menschen bis zu jenen, die nicht verstehen, um was es geht. Die verständliche Sprache, so der Leitende Redakteur der Main-Post, Peter Krones, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

„Zu glauben, wenn ich mich komplexer ausdrücke, denken alle, ich sei besonders intelligent“, so Joßberger, sei definitiv falsch.

Infoveranstaltung Verständliche Sprache in Ausbildung und Prüfung
Infoveranstaltung Verständliche Sprache in Ausbildung und Prüfung