Historie

Der General-Anzeiger hat von Beginn an großen Erfolg, die Auflage steigt schnell, das Blatt wird zum ersten echten Massenmedium der Region. Der "Generaler" übersteht alle Konkurrenten im Lesermarkt und auch die schweren Turbulenzen des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren.

1941 muss der Würzburger General-Anzeiger auf Druck der Nationalsozialisten sein Erscheinen einstellen. Die braunen Machthaber stellen es so dar, als ob das Blatt mit ihrem NS-Gauorgan vereinigt worden sei und lassen von nun an die Mainfränkische Zeitung in den Produktionsstätten des Würzburger General-Anzeigers drucken. Die NSDAP-Zeitung erscheint letztmalig am 31. März 1945, zwei Wochen nach der Zerstörung Würzburgs durch die Alliierten.

Nach Kriegsende gibt es für den Titel Würzburger General-Anzeiger kein Wiederkommen mehr. Dafür beginnt am 24. November 1945 die Geschichte der Main-Post. Unter diesem Namen lizenzieren die Alliierten in Würzburg endlich wieder eine überparteiliche Zeitung mit freier Meinungsäußerung. Unter großen Anstrengungen der ehemaligen Belegschaft des General-Anzeigers entsteht aus den Ruinen von Verlag und Druckerei eine neue unabhängige Tageszeitung für Mainfranken. Die kostbare Lizenz bekommen 1945 Heinrich G. Merkel und Richard Seubert und nicht der Verlagsinhaber Karl Richter.Die Main-Post entwickelt sich gut, und ab 1949 steht Michael Meisner am Ruder. Der Rechtsanwalt, nach Kriegsende Landrat und Oberbürgermeister Würzburgs, übernimmt die Lizenz und verhilft bald seinem Jugendfreund Karl Richter zum Wiedereinstieg in den Verlag. Die Doppelspitze Richter/Meisner wirkt 20 Jahre erfolgreich.

Die Main-Post wächst weiter. Immer mehr Lokalausgaben kommen hinzu und decken bald ganz Mainfranken ab. Mit der Auflage und dem Umfang der Zeitung wächst auch der Platzbedarf. Im Stammsitz in der Würzburger Plattnerstraße wird es zu eng. Auf einem 100.000 Quadratmeter großen Grundstück am neu erschlossenen Heuchelhof entstehen das Verlagsgebäude und Druckhallen für Zeitung und Fremdprodukte. Ab 1971 werden dort Bücher gebunden, ab 1972 hochwertige Magazine gedruckt und schließlich, ab 1974, auch die Main-Post.

1971 übernimmt die Mainpresse Richter Druck- und Verlags GmbH, wie das Unternehmen jetzt heißt, die Mehrheit am Volksblatt, das nach seinem Neustart 1952 wirtschaftlich nie richtig auf die Füße gekommen war. Die redaktionelle Eigenständigkeit bleibt jedoch bestehen.

In den besten Zeiten entstehen in den Hallen an der Berner Straße jährlich drei Millionen Bücher, zwölf Millionen Kataloge und Taschenbücher, 120 Millionen Prospekte und drei Milliarden Etiketten – neben den 150.000 Zeitungsexemplaren pro Tag, die in der Zeitungsdruckerei produziert werden. Anfang der 1990er Jahre gerät das Geschäft mit der Auftragsdruckerei aber durch den rasanten technischen Fortschritt und die neue Konkurrenz aus Osteuropa massiv unter Druck.


In dieser Zeit geht die Ära Richter zu Ende: Die Töchter von Karl Richter veräußern das Unternehmen 1991 an die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Diese versucht zunächst, den Fremdruckbereich – die sogenannte Akzidenz – zu retten, muss diesen Geschäftsbereich aber 1994 einstellen. Es ist der schmerzhafteste Einschnitt in der Geschichte der Main-Post.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat von Beginn an großes Vertrauen in die Führung der Main-Post und lässt ihr wirtschaftlich und publizistisch stets freie Hand. Nach knapp 20 Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit beschließt die Verlagsgruppe jedoch eine stärke Fokussierung auf ihre Geschäftsfelder Bildung, Wissenschaft, Buch und Internet. In diesem Zusammenhang trennt sich die Verlegerfamilie Holtzbrinck im Jahr 2011 von der Mediengruppe Main-Post. Neuer Gesellschafter ist seitdem die Mediengruppe Pressedruck in Augsburg (Augsburger Allgemeine), die den Verlegerfamilien Holland und Scherer gehört. Die Main-Post bleibt somit auch nach über 125 Jahren Teil eines Familienunternehmens.