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GLOSSE: Die Zahl 45

Zu verschenken! Einzimmerwohnung in Asylanten-Residenz mit WG-Feeling, da man diesen kuscheligen Raum mit drei bis fünf anderen teilen darf.

Und auf dem Freigelände kann man mit circa 500 Gleichgesinnten flanieren gehen. Allerdings sind kulturelle Differenzen vorprogrammiert, da Kulturen aus aller Welt auf engstem Raum zusammentreffen. Aber darüber lässt sich hinwegsehen, da dort Sicherheitsvorkehrungen erster Klasse vorherrschen. Ohne Vorzeigen des Personalausweises kommt keiner hinein – und etwas noch so Profanes hineinzuschmuggeln ist unmöglich, denn sämtliche Importware wird genauestens überprüft!

Einen Nachteil gibt es aber doch: Solche Banalitäten wie Privatsphäre und Bewegungsfreiheit scheinen in der Asylanten-Residenz überbewertet zu sein und sind deshalb kaum anzutreffen. Was sind schon diese Kleinigkeiten, wenn man sich in der Bundesrepublik Deutschland befindet, auch wenn man vielleicht im schlimmsten Fall 15 Jahre auf die Bewilligung seines Asylantrages warten muss?

Aber es gibt einen Lichtblick – oder eher 45, muss man sagen. Die Würzburg Panthers haben eine Aktion ins Leben gerufen, um ihrem Teammitglied Madiama Diop ihre Solidarität zu zeigen. Man muss lediglich sein Bild und die Nummer 45, also Madiama Diops Trikotnummer, auf die Facebook-Seite der Panthers posten. Kleine Fotos, die in ihrer Summe von großer Bedeutung für den jungen Mann aus dem Senegal sind, denn die Würzburg Panthers haben so erreicht, dass Madiama Diop trotz Residenzpflicht an Auswärtsspielen teilnehmen darf.

Die Glosse verfasste die Klasse 10a des Balthasar-Neumann-Gymnasiums in Marktheidenfeld beim Poetry-Slam-Workshop.