Lehrer müssen Schüler im Netz begleiten

Medien üben auf Kinder und Jugendliche eine große Faszination aus. Fast alle Jugendlichen haben laut der aktuellen Jim-Studie ein Smartphone und sind im Schnitt über drei Stunden damit online, am liebsten nutzen sie YouTube. Die Digitalisierung erfasst mehr und mehr auch die Klassenzimmer: Tabletklassen, Online-Plattformen für Unterrichtsmaterialien, Klassen-WhatsApp-Gruppen. Doch wie gelingt es Lehrern, ihre Klassen sicher durch den Medien-Dschungel zu führen? Antworten darauf gab der Lehrermedientag, den die Mediengruppe Main-Post am Mittwoch für 250 Lehrkräfte aus Mainfranken im Vogel Convention Center in Würzburg ausrichtete. 16 bayerische Medienhäuser veranstalteten diesen Fortbildungs- und Informationstag gleichzeitig an insgesamt zwölf Orten, die von insgesamt 1200 Lehrerinnen und Lehrer besucht wurden.

 

Verantwortungsvoller Umgang mit Medien

Im Zentrum stand die Frage, wie die Pädagogen ihre Schüler im Umgang mit den digitalen Medien unterstützen können. „Nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer sind gefordert, den Kindern einen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit den Nachrichten zu vermitteln“, erklärte Peter Krones, Leitender Redakteur der Main-Post, das Anliegen des Lehrermedientags.

Sind Aktivitäten im Web Zeitverschwendung? „Auf keinen Fall“, sagte Frank Schwab, Professor für Medienpsychologie an der Universität Würzburg. Denn wir leben in einem Medienzeitalter. „Nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Freizeit sind wir quasi rund um die Uhr von Medien umgeben“, erklärte Schwab. Alles zusammengenommen nutzen Menschen heute zehn Stunden am Tag Medien. Kontakte hat man heute online und offline. „Reale Welt und virtuelle Welt sind heute eins.“ Früher habe man zum Reden auf der Dorfbank zusammen gesessen, heute laufe das alles per WhatsApp. „Wir machen heute das gleiche, das wir früher gemacht haben. Nur eben digital.“ Medienkompetenz sei ein ständiger Prozess. Schwab rät den Lehrkräften, die neuen Techniken auch im Unterricht einzusetzen und Neues auszuprobieren.

 

Lamberg Zumbrägel: „Wir müssen diese neue Welt mitgestalten.“

Der Umgang mit Medien müsse so selbstverständlich werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen, forderte Lambert Zumbrägel, Medienpsychologe beim Bezirksjugendring in Unterfranken. „Wir müssen diese neue Welt und ihre Herausforderungen mitgestalten.“ Medienkompetenz bedeute, die Medien angstfrei und souverän zur Gestaltung des persönlichen Lebens zu nutzen. Und er mahnte eindringlich: „Lernen und Lehren müssen sich jetzt verändern. Auf fertige Rahmenbedingungen, Konzepte und ausreichend Personal können wir nicht mehr warten.“

Sicher werde früher oder später auch das Smartphone in den Unterricht Einzug halten. Jugendliche lernen gerne mit Youtube. „Warum haben die Schulen nicht heute schon einen eigenen Youtube-Kanal?“, fragte Zumbrägel in die Lehrerrunde.

 

Welche Nachricht im Internet ist echt – was ist Fake? Wo werden Persönlichkeitsrechte verletzt? Neben den Eltern sind auch die Lehrer gefragt, wenn es darum geht, Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien beizubringen. Dass Facebook eigene Regeln hat und der Grundsatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ nicht immer gilt, das verdeutlichte der Würzburger Medienanwalt Chan-jo Jun. „Hasskommentatoren sind in den sozialen Medien oft die häufigsten Nutzer“, so Jun, der in diesem Jahr sogar vor Gericht gegen Hassäußerungen auf Facebook geklagt hat.

Kinder auf die Onlinegesellschaft vorbereiten

Warum duldet Facebook verleumderische Fake-News? „Solche Äußerungen ziehen Aktionen und Diskussionen nach sich“, erklärte der Anwalt. Doch die meisten Posts verstoßen nicht gegen die Gemeinschaftsstandards des US-Unternehmens. Jun sieht es auch als Aufgabe der Schule, Kinder auf diese Seite der Onlinegesellschaft vorzubereiten. „Es ist notwendig, dass Lehrer die neuen Medien mit Schüleraugen sehen, statt sie abzulehnen.“

 

Andreas Kemper, Leitender Redakteur der Main-Post, informierte beim Lehrermedientag über den professionellen Umgang mit Fake News. „Man muss kritisch, aber souverän mit den Medien umgehen, dann besteht kein Grund zur Panik“, sagte Kemper. Denn: „Seit es News gibt, gibt es auch Fake-News. Das ist kein Phänomen der digitalen Welt.“ Wichtig sei, dass Eltern und auch Lehrer sich dafür interessieren, was die Kinder im Netz machen und sie begleiten.

Damit traf er den Tenor von Kultusminister Ludwig Spaenle, der in einer Videobotschaft alle zwölf Tagungen erreichte: „Wir alle sind in der Pflicht, unseren Kindern und Jugendlichen Orientierung zu geben, und im Sinne einer zeitgemäßen Medienerziehung fit für die Digitalisierung zu machen.“

Lehrermedientag

Der bayerische Lehrermedientag wurde in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten. Das Besondere: Das Fortbildungsangebot für Lehrerinnen und Lehrer gab es parallel an zwölf Standorten, jeweils organisiert von den führenden ortsansässigen Tageszeitungen. In Würzburg richtete die Mediengruppe Main-Post den Lehrermedientag für die Region Mainfranken aus.

 

In München waren Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, AZ und tz gemeinsam Gastgeber, Referenten waren dort unter anderem Staatssekretär Georg Eisenreich und der Journalist und Blogger Richard Gutjahr. In Nürnberg hatten Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung gemeinsam eingeladen. Weitere Stationen: Augsburg, Aschaffenburg, Bamberg, Coburg, Hof, Kempten, Landshut, Regensburg, Weiden.

Insgesamt sind dem Ruf der 16 Medienhäuser 1200 Lehrkräfte gefolgt. Initiator des Lehrermedientags ist der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), unter dessen Dach 36 bayerische Zeitungsverlage und vier persönliche Mitglieder mit einer täglichen Gesamtauflage von rund zwei Millionen Exemplaren zusammengeschlossen sind. Auch für 2018 ist ein Lehrermedientag geplant (21. November).

„Ob Medienkunde ausreichend vermittelt wird, ist abhängig vom Schultyp. In manchen Schulen geht es nicht ohne, bei uns ist Medienkunde ein Thema.“
Martin Ruf, Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg